Do.
28.03.
Beginn: 20h
Die Wände



Eintritt: 7 €  Location: Halle

Tickets bei TixforGigs

 

Carsten von Postel, Jann Petersen und Mathias Wolff gründen ihre Band 2013 während des gemeinsamen Studiums an der UdK (Universität der Künste Berlin) auf Basis einer beschwipsteuphorischen SMS. Alle Bandmitglieder kommen zu der Zeit aus unterschiedlichsten musikalischen Richtungen, sind neu in ihrer Rolle am jeweiligen Instrument und starten unter dem Namen “girlie” in Richtung Post-Punk. Eines ihrer ersten Konzerte spielen sie im mittlerweile abgerissenen Club Antje Øklesund und finden in dessen sozialer Umgebung schnell ein Zuhause. Im Oktober 2015 veröffentlichen sie über das Berliner Label Späti Palace ihre erste gleichnamige EP auf Kassette & digital, touren und spielen auf Festivals (u.a. beim Jenseits von Millionen, c/o pop, Alinae Lumr und dem Incubate in den Niederlanden). Der Musikexpress kürt sie zu einem der besten Newcomer auf dem c/o pop Festival 2016. Im gleichen Jahr veröffentlichen sie eine gemeinsame Split-EP (12“ Vinyl und digital) mit der Berliner Band Pigeon, anlässlich derer die TAZ ihren Sound als Weiterführung von 80er-Jahre Gruppen wie Dinosaur Jr., Sonic Youth oder The Wedding Present einordnet.


Diese Genre-Schublade werden sie in 2017/2018 jedoch in Teilen verlassen und beginnen an ihrem Debütalbum zu arbeiten. Im Zuge dessen entschließen sie sich, mit deutschsprachigen Texten weiterzuarbeiten, und veröffentlichen einen ersten Song mit Im Automaten. Die Stimmung der Songs wird offener, zwischen die Instrumentalparts kehrt so etwas wie Popmusik ein – ausgebreitet auf immer wieder gern 5 bis 7 Minuten Spielzeit. So etwa der Im Flausch eröffnende Song Im Park und im Café: So elegant, so träumerisch konkret und ja, so poppig waren sie noch nie. Es ist ihr Kommst du mit in den Alltag. Zwischendurch lassen sie unbeirrt ihre Feedbacks kreischen, die für „frischen Wind in stürmischen Zeiten“ sorgen. Passend raten sie in 11:55 Uhr vor einer Noiseattacke noch schnell „zieh dir ein Jäckchen an, draußen ist es kalt“.


Es ist ein unironisches Nebeneinander von schroffen Oberflächen und einladendem Gestus, von Noise und Pop, von Frustration (Halten Sie Ihre Pläne geheim) und Euphorie (die Chöre!), ja von der grauen Welt (auch der in einem selbst) und von etwas, dass sie Utopie nennen könnten. Wie diese aussieht? „Alles ist weich / alles ist warm / alles ist leicht / alles ist behütet“ singt der Chor in Projektor – nur um durch ein trockenes „konturlos“ ergänzt zu werden, das wie eine Absage an den aufkommenden Eskapismus des Stückes klingt. Keine Flucht möglich also, stattdessen: „Anspruch und Wirklichkeit haben Streit“ (11:55 Uhr). Der titelgebende Flausch ist Sehnsuchtsort und Lethargiefalle in einem (Formgedächtnispolymer).

Im Flausch wurde im Frühjahr 2018 in 7 Tagen live in Prinzhöfte, einer Gemeinde gleich hinter Delmenhorst mit knapp 700 Einwohner*innen, auf dem Dachboden eines leerstehenden Bauernhofhauses fertiggeschrieben und eingespielt. Während nachts der harte norddeutsche Wind durch das alte Gebälk des Hauses pfiff, schliefen Band und die mit den Aufnahmen beauftragten Freunde aus dem Flennen Kollektiv – Alexander Günther (Molde) und Julius Berger (Go Lamborghini Go) – mangels Betten auf Luftmatratzen und Isomatten inmitten der mikrofonierten Verstärker und Drums. Umgeben von nichts als Pferdekoppeln und einem kleinen Waldstück, gestaltete sich der Aufnahmeprozess so intensiv und einnehmend, dass Teile der Band das Haus tagelang nicht verlassen. Einen Tag nach Aufnahmeschluss, wird das Anwesen nach langem Leerstand verkauft. Gesangsaufnahmen und Overdubs entstehen in den darauffolgenden Wochen in einem Berlin-Lichtenberger Proberaumhaus, aufgenommen von Christian Ramisch (NOJ), umgeben von Plattenbausiedlungen. Die Band benennt sich in Die Wände um und beendet damit ihre Neuerfindung. Das Debütalbum der Wände erscheint Mitte März 2019 auf Vinyl und digital bei Späti Palace.

 

Hörprobe

 

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